Bettnässen bei Kindern hat verschiedene Hintergründe
28. 2010Verhältnismäßig viele Kinder und Jugendliche leiden unter nächtlichem Einnässen. Bettnässen bei Kindern ist nach wie vor ein Tabuthema. Deswegen ist die Dunkelziffer vergleichsweise hoch.
Bettnässen bei Kindern kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Das nächtliche Einnässen heißt in der Fachsprache Enuresis nocturna und wird in zwei Formen unterschieden. Die primäre Enuresis betrifft Kinder und Jugendliche, die noch nie durchgehend trocken waren. Unter der sekundären Enuresis leiden Kinder, die bereits ein halbes Jahr nicht mehr eingenässt hatten und dann einen Rückfall erlitten.
Bettnässen bei Kindern ist noch nicht hundertprozentig erforscht. Hinsichtlich der medizinischen Aspekte lassen sich jedoch einige gewonnene Ergebnisse formulieren. Bei der primären Enuresis werden verzögerte körperliche Entwicklungen des Kindes vermutet, wonach Areale des Gehirns noch nicht ausreichend miteinander verknüpft sein sollen. Untersuchungen haben ebenso gezeigt, dass Betroffene das für die Flüssigkeitsspeicherung verantwortliche Hormon ADH in der Nacht in geringeren Konzentrationen produzieren als nicht Betroffene. Dies bewirkt, dass sich die Blase im Schlaf mit überdurchschnittlich viel Flüssigkeit füllt und es zu einer Entleerung kommt, ohne dass das Kind davon aufwacht. Weiterhin hat sich bestätigt, dass Vererbungen eine wesentliche Rolle spielen und bei der primären Enuresis auffällig viele Familienmitglieder in der Nacht einnässen, beziehungsweise eingenässt haben. Bei der sekundären Enuresis spielen dagegen psychologische Gesichtspunkte eine übergeordnete Rolle. Ein erlebter Schock, der Tod eines nahen Familienangehörigen oder ein Umzug können die sekundäre Enuresis hervorrufen.
Es gibt verschiedene Therapieformen, die den Kindern dabei helfen, dem Symptom effektiv zu begegnen. Kinderärzte und Urologen schließen durch Ultraschall der Blase und der Nieren, Urinuntersuchungen sowie weitere körperliche Befunde aus, dass die Ursachen für das Einnässen organisch sind. Die häufigste Therapie ist die Gabe von ADH-Präparaten, die auf biochemische Weise verhindern, dass sich die Blase nachts übermäßig füllt. Auch wird in vielen Fällen eine tiefenpsychologische Therapie verordnet, in deren Verlauf sowohl die Kinder als auch die Eltern an Gesprächen teilnehmen, die Aufschluss über eventuelle frühkindliche Störungen geben.